Überreichung des Menschenrecht-Preises der Stiftung Pro Asyl an Gergishu Yohannes in Frankfurt a.M. am 06.10.2012

Einsatz für die Überlebenden und die Hinterbliebenen der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge

Bericht von Nisenet Stifanos

Es war wieder Zeit am 06.10.2012,  der 77 Opfer, der  Bootsflüchtlinge zu gedenken, die bei der Überquerung des Mittelmeers 2009 von Libyen nach Europa umgekommen waren.

Eine Veranstaltung von Pro Asyl zur Überreichung des Menschenrecht-Preises der Stiftung Pro Asyl an Frau Gergishu Yohannes.

Es gab eine Lesung von Briefen, ein Film wurde gezeigt, und für die musikalische Atmosphäre wurde auch gesorgt.

Die Veranstaltung fand in Escherheimerlandstr. 303 in Frankfurt am Main statt.

Der evangelische Pfarrer der Gemeinde stellte sich vor und meinte, er sei sehr stolz, dass seine Gemeinde die Ehre bekam, für so eine sinnvolle Arbeit die Räume zur Verfügung stellen zu dürfen, und dass er für solche Menschenrechtler immer die Tür offen halte.

Im Anschluss sprach der Europa-Referent von Pro Asyl und stellte das Programm vor.
 
Um 14:00 Uhr begann es mit Musik. Zwei Damen spielten mit Geige und Cello zwei Stücke des Barock-Komponisten Georg Friedrich Händel, darunter „Lascia ch'io pianga“.

Nach kurzer Moderation wurde der Anlass der heutigen Versammlung vorgestellt, danach folgte die Lesung von Briefen zum Beispiel von Prof. Bereket,  einem Juristen, der aus Eritrea stammt, aber in den USA lebt, welcher die Veranstaltung und den Veranstalter lobte und alle ermutigte, die Grausamkeit an Europas Außengrenzen zu verurteilen und mehr Aktivitäten und Mobilisierungen gegen die menschenverachtende Politik Europas  zu unterstützen. Ein zweiter Brief kam auch aus den USA, diesmal von der eritreischen Anwaltskammer, die ebenfalls die Grausamkeit der EU-Politik verurteilte und mehr Schutz für verfolgte Menschen verlangte.  Ein dritter Brief kam aus Australien. Ebenfalls fordert dieser, dass alle die Arbeit von Frau Yohannes unterstützen und dass wir gemeinsam gegen eine solche EU-Politik vorgehen müssen.

Um 14:40 wurde ein Filmdokument gezeigt, in dem der damalige Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, Wolfgang Schäuble, verneinte, dass Flüchtlinge an Europas Außengrenzen bekämpft würden und ihnen der Zugang zu Europa versperrt würde.

Es ging weiter mit Musik, ein Liebeslied (von Georg Kreissler), das bei meiner Befragung vom Publikum als wunderschön empfunden wurde.
 
Pro Asyl berichtete über die Flüchtlingssituation in Europa, und es gab auch die Gelegenheit für die Gäste, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Genauso konnten auch zum Film Fragen gestellt werden, worauf die eritreische Diaspora Antworten gab und eigene Beiträge beisteuerte.

Es gab eine kurze Pause, in der viel zu essen da war, wie eine Reise in verschiedenen Variationen: Salat und Gebäck, Kaffee, Tee und kalte Getränke, die von Teilnehmern gespendet wurden.
 
Um 16:00 Uhr hielt die evangelische Pfarrerin, Frau Schoen,  für die Trauernden und die
Angehörigen der Opfer eine Andacht, mit einem gemeinsamen Gebet und einer
Predigt.  Sie sprach alle betroffen an. In dem Gebet erwähnte sie alle Verschollenen und Gestorbenen im Mittelmeer, alle die aus Eritrea Flüchten wollten aber nie in den Sudan angekommen sind, die dem Organhandel  zum Opfern geworden  sind, die in den Gefängnissen in Libyen und in Eritrea verschollen und gestorben sind  und bat in einer Schweigeminute um stilles Gedenken besonders für die Opfer, die 23 Tage lang zwischen Italien und Malta durch Durst und Hunger einen qualvollen Tod fanden.
 
Mit tränengefüllten Augen las Frau Yohannes die Namen der Opfer vor, die Tränen der Gäste konnten nicht zurückgehalten werden, auch mir stiegen die Tränen in die Augen.

Nun war das Mikrophon frei für die Gäste, sie durften ihre Meinung abgeben und ihre Gefühle einfach mitteilen. Das hat mir besonders gefallen an diesem Tag, dass alle in Gemeinschaft zusammen getrauert haben und alle mitfühlten und ihre Gedanken austauschten, denn das ist sehr wichtig.

Auch Unterschriften wurden in einer Liste gesammelt.

Ein Mann aus dem Publikum trat ans Mikro und berichtete über seinen Bruder, der im Sinai von Menschenhändlern gekidnappt wurde  und auf sein Geld angewiesen sei, damit die Kidnapper  nicht die Organe des Bruders entnähmen und an mobile Krankenhäuser verkauften. Er soll bis dato 15000,- Euro für die Freilassung des Bruders  gezahlt  haben, doch der Bruder sei immer noch in den Händen der  Kidnapper. Durch Einladungen hatte  er von der heutigen Veranstaltung erfahren und kam auch gerne. Er ist selber fast seit acht Monaten hier in Deutschland und hätte sich gefreut, wenn zahlreichere Gäste erschienen wären. Er freute sich über die Arbeit von Frau Yohannes, bat ihr seine Hilfe gerne an und bedankte sich bei Pro Asyl.
 
Es sollten an diesem Tag eigentlich 77 Personen erscheinen und nicht so wenige (insgesamt nur 59 Personen), so sprach eine junge Ärztin aus Eritrea ins Mikro, und dass sie stolz sei auf die Arbeit von Frau Yohannes und bedankte sich unter anderem bei Pro Asyl dafür, dass sie diesen Tag möglich gemacht hatten. Es gehe hier nicht nur um junge und alte Flüchtlinge aus Eritrea und ihr Leid, sondern auch um Jugendliche, die hier geboren sind und auch davon
betroffen seien, denn sie bekämen es auch mit von ihren Eltern und ihren Verwandten, die im Meer umgekommen sind und um sie trauerten, und sie hörten immer wieder, dass jemand  im Meer umgekommen ist. Trotzdem sei es ein Glück, hier geboren zur sein, so meldete sich unter Tränen und emotional tief bewegt ein junges Mädchen, das hier geboren ist und hier lebt und es sehr mitfühlt. Es waren sehr rührende Momente und viele Emotionen.

Es gab auch die Gelegenheit für mich, ans Mikro zu gehen, denn ich bin in den 1980 er Jahren hierhergekommen und arbeite ehrenamtlich bei der Caritas im Café Mondial – Fachdienst für Migration und Integration. Ich betete, dass Gott die Familien und Freunde tröste. In meiner Freizeit dolmetsche ich bei Ärzten und bei Behördengängen und begleitete die eritreischen Flüchtlinge. Wichtig ist es, sich psychologische Betreuung beziehungsweise eine Therapie zur Verarbeitung  der Traumata zu suchen, das  kann man nicht allein bewältigen. Egal was für eine Frage es gibt, es gibt es Gott sei Dank Einrichtungen wie Save me, Caritas oder andere Einrichtungen und man sollte sich trauen, sich Hilfe zur holen. Ich bedankte mich bei Pro Asyl und sagte, wie stolz ich auf die Arbeit von Frau Yohannes sei und bedankte mich auch bei ihr.

Es war eine emotionale und gut gelungene Veranstaltung, ich hoffe nächstes Jahr auf zahlreichere Gäste.
Frau Yohannes übersetzte die Rede in die Tigrinja-Sprache und bedankte sich bei allen Gästen und bei Pro Asyl. Die Gäste applaudierten und verabschiedeten sich.


Vgl. dazu auch: Pro-Asyl-Stiftung Menschenrechtspreis für Gergishu Yohannes
http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=10285074/6i03fo/  

 

Bericht übernommen von: http://www.migrapolis-deutschland.de

 

 

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